Der Elfenzauber funktioniert gerade nicht

Foto: Ronald Bonß

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Normalerweise hätte Elfenzauber jetzt Hochkonjunktur. In der schönen Jahreszeit finden die Stadtfeste, die Mittelalterspektakel, die Museumsnächte und Fantasy-Partys statt. Dann ist Marianna Korsh unterwegs in ganz Deutschland, spielt unter dem Künstlernamen Loireag keltische Musik auf ihrer Harfe und singt gälische Lieder dazu.

Das aktuelle Programm heißt „Elfenzauber“. „Aber der Elfenzauber funktioniert gerade nicht“, meint sie. „Alle Veranstaltungen bis Herbst, bei denen ich auftreten sollte, wurden abgesagt.“ Auch das Elbhangfest, gerade eben das Fantasyfest für Kinder in Meißen. Damit ist ihre wichtigste Einnahmequelle auf viele Monate hinaus versiegt.

Nun ist es nicht so, dass Marianna Korsh nichts zu tun hätte. Ihre zweite Leidenschaft gehört einem kleinen Buchverlag, in dem sie vorwiegend Kinderbücher russischer und deutscher Autoren verlegt. Die „Meerjungfrau“ ist der bisherige Hit, auch die „Waldfibel“ fürs Kindergartenalter hat sich gut verkauft. Für manche Bücher übernimmt sie die Grafiken, auch das hat sie gelernt. Aber der Buchverkauf ist kein leichtes Geschäft, für kleine Verlage noch nie, in diesen Zeiten sowieso. Erst wurde die Leipziger Buchmesse abgesagt, und mit ihr alle geplanten Lesungen. Dann waren die Buchgeschäfte wochenlang geschlossen.

„Man muss sehr viel kämpfen um jeden Platz im Buchgeschäft und um jedes verkaufte Exemplar im Netz“, sagt Marianna Korsh. Und sie lässt durchblicken, dass dieses Geschäft jetzt eher Geld kostet, als dass es welches einbringt.

Romantik mit „Letzte Instanz“-Sänger

Dabei lief es gerade so gut für die heitere junge Frau. Marianna Korsh, 32, in Moskau geboren und aufgewachsen, hatte früh ihren Traumprinzen in Sebastian Lohse gefunden, damals gefeierter Sänger, Texter und Komponist der Rockband „Letzte Instanz“. Erst verliebte sie sich in seine Stimme, dann in den Mann. „Eine sehr romantische Geschichte.“ Schließlich verließ sie die Heimat und zog mit ihm nach Dresden - die schönste Gegend Deutschlands, wie sie meint. Heute leben sie zusammen in Kleinzschachwitz, kauften sich ein Haus, vor eineinhalb Jahren wurde ihre Tochter geboren. Sie führen hier das selbstbestimmte, wenn auch unsichere Leben eines Künstlerpaares.

Aber jetzt sind nicht nur ihre Einnahmen weggebrochen, sondern seine auch. Ihr Mann arbeitet als Sprecher und tritt mit Liederprogrammen auf. Jetzt geht es beiden wie den meisten freien Künstlern: Alle Veranstaltungen abgesagt, Geld gibt`s nicht, die Aussichten ungewiss. Kein Mensch kann heute sagen, wann es wieder Veranstaltungen gibt. Im Herbst vielleicht? Blöd nur, dass auch Künstler essen und trinken und Kredite abzahlen müssen.

500 Euro Überbrückungshilfe

Marianna Korsh will sich aber von der misslichen Lage nicht runterziehen lassen. Zwei Lichtblicke, so sagt sie, helfen ihr dabei. Zum einen erhielt sie nach ihrem Antrag rasch 500 Euro Überbrückungshilfe der Stiftung Lichtblick. „Ich hab`mich so darüber gefreut! Es ist für Künstler eine große Hilfe. Großartig, dass SZ-Leser Barmherzigkeit zeigen und an andere Menschen denken.“ Der andere Lichtblick ist die Buchmesse in Frankfurt/Main im Herbst. Die wird, so hofft sie, nicht abgesagt. Dann könnte sie ihre neuen Bücher vorstellen, es wäre ein guter Neustart.

Bis dahin will Marianna Korsh die Zeit nutzen und kreativ sein, auch wenn das mit dem Töchterchen nicht ganz einfach ist, sie interessiert sich gerade intensiv für Mamas Harfe. Neue Märchenbücher entstehen. Die „Gänsemagd“ etwa, von ihr neu erzählt und einer lettischen Künstlerin illustriert.

Sie baut für ihren „Wunderhaus Verlag“ selbst einen Online-Shop, um den Verkauf zu stärken. Gemeinsam mit dem Putjatinhaus in Kleinzschachwitz arbeitet sie an Märchentagen für den Winter. Sie feilt an ihrem neuen Soloprogramm „Kleine Meerjungfrau“.

Marianna Korsh glaubt weiter fest an den Elfenzauber, der hart erarbeitet sein will.

Autor: Olaf Kittel

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