Schöner Anblick, keine Besucher

Foto: Jürgen Lösel

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Für den Fotografen hat er sich noch mal in seiner Dienstbekleidung an einem seiner Arbeitsorte auf dem Dresdner Neumarkt aufgestellt. Mario Sempf führt hier sonst Touristen entlang und erzählt ihnen als Ritter Jonas Daniel Geschichten über das alte Dresden. Kurz vor Ostern beginnt eigentlich die Saison, das Wetter ist prima. Nur Touristen sind keine da. Für Mario Sempf heißt das: Er verdient nichts. 

Zum Glück ist er ein Multitalent, ist vielseitig interessiert und hat sich als Soloselbstständiger vernünftigerweise mehrere Standbeine geschaffen. So gestaltet er auch Kinderprojekte. In Schlössern der Umgebung erkundet er mit ihnen Räume, Kammern und Verliese, zeigt Folterinstrumente. Nur: Auch die Schlösser und Museen sind zu, es gibt kein Geld zu verdienen. Gleiches trifft auf seine Kampfsportschule zu, in der er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ringen und Schwertkampf nach historischen Quellen lehrt und mit seinen Schülern bei Veranstaltungen auftritt. Die Schule ist zu, Veranstaltungen gibt es nicht.

Noch ein anderes Standbein sind seine Schulprojekte. Er veranstaltet Waldtage, es gibt Kletterangebote, er baut mit den Kindern Baumhütten. Sie erkunden gemeinsam die Geschichte, er zeigt ihnen, wie Ausgrabungen funktionieren. In 50 schulischen Einrichtungen in und um Dresden ist er damit im Einsatz. Genauer gesagt: Er war im Einsatz. Auch mit dieser Tätigkeit verdient er gerade nicht einen Euro. Denn auch die Schulen sind zu, niemand kann ihm sagen, wann sie wieder öffnen.

Hoffnung auf den Buchverkauf

Vielleicht gibt es ein paar Euro aus dem Bücherverkauf. Mario Sempf hat mehrere veröffentlicht. Immer geht es um Dresdner Geschichten. „Dresden zum Gruseln“ heißt eines, ein anderes „Blutiger Barock“. Aber auch der Bücherverkauf hat Probleme. Die Buchläden sind ja auch zu, die Buchmesse abgesagt.

So wie Mario Sempf geht es gerade vielen Soloselbstständigen, die in der Kultur oder mit Tourismus ihre Brötchen verdienen: Keine Einnahmen, keine Absicherung, kaum Rücklagen, aber die Kosten laufen weiter. Einige seiner Kunden sind fair und wollen ihn im Vorgriff Leistungen bezahlen. Nur: Dann fehlt ihm später das Geld. Mario Sempf kann jetzt auf 1.000 Euro vom Staat hoffen. Aber es ist offen, wann die Überweisung eingeht. Weit kommt er damit auch nicht. 9.000 Euro als Darlehen kann er beantragen, aber er fragt sich schon, wie er das jemals zurückzahlen soll. 

Und so liegen gerade mehrere Antragsformulare auf seinem Schreibtisch. Er quält sich mit der Frage, welches er abschicken soll. Das Darlehen doch nehmen? Oder Hartz IV beantragen? Alles hinwerfen und aufgeben nach jahrzehntelangem Aufbau der beruflichen Existenz? Eine schwere Entscheidung, er würde es als gewaltige Niederlage empfinden, auch wenn er für die Situation nichts kann.

Beim Studium aller Fördermöglichkeiten hat er viele Enttäuschungen erlebt. Soloselbstständige werden, wenn die Regierung jetzt nicht schnell nachbessert, in großer Zahl große Probleme bekommen, viele werden aufgeben. Denn auch in den nächsten Wochen dürfte sich für sie die Lage kaum entspannen. Veranstaltungen wird es so bald nicht geben, der Tourismus liegt am Boden.

Eine positive Überraschung hat Mario Sempf bei der Durchsicht der Hilfsmöglichkeiten doch erlebt. „Das Angebot der Stiftung Lichtblick, Soloselbstständigen wie mir ein Überbrückungsgeld von 500 Euro schnell und unbürokratisch auszuzahlen, ist großartig. Ich wusste bisher gar nicht, dass es solche Hilfsmöglichkeiten überhaupt gibt. Ich habe ja auch noch nie solche Hilfe gebraucht.“ Den Antrag hat er inzwischen losgeschickt, bald sollte das Geld auf dem Konto sein. Es wird ihn wieder einige Tage über Wasser halten. Bis hoffentlich andere Hilfe kommt.

„Danke allen Spendern. Bitte spenden Sie weiter, liebe SZ-Leser. Es gibt viele, denen es gerade so geht wie mir.“

Gespräch: Olaf Kittel

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