Wenn Angst die Existenz bedroht

Foto: Jürgen Lösel

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Morgens kamen immer die Anrufe, ob denn noch kurzfristig Fahrten zum Arzt möglich wären. Enrico Preißer konnte dann oft, aber durchaus nicht immer helfen, weil er schon ausgebucht war. Früher war das, bis Anfang März, vor Corona. Jetzt kommen morgens auch noch Anrufe. Es sind fast immer Absagen langfristig vereinbarter Termine. Telefonieren macht ihm gerade gar keine Freude.

Enrico Preißer, 58, arbeitet seit 2004 selbstständig und betreibt seit 2015 seinen eigenen Kranken- und Behindertenfahrdienst in der Nähe von Nossen. Auf die Idee dazu war er gekommen, als sein kranker Vater von einem Unternehmen regelmäßig zum Arzt gefahren werden musste und er feststellte, dass er das eigentlich besser könnte. Seither transportiert er mit seinem auch für Rollstühle ausgerüsteten Spezialfahrzeug Kranke und Behinderte zum Arzt oder ins Krankenhaus.
 

Bis Anfang März funktionierte das alles gut und reibungslos, Enrico Preißer hatte zu tun. Mit 20 bis 25 Fahrten pro Woche kam der Ein-Mann-Betrieb hin. „Aber plötzlich wurde alles anders. Kaum noch einer meiner Kunden wollte transportiert werden, die meisten Kranken und Behinderten haben Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus und wollen deshalb ihr Heim oder ihre Wohnung nicht mehr verlassen.“

Mindestens alle aufschiebbaren Termine beim Augen- oder Hautarzt werden abgesagt. Außerdem sind viele Behindertenwerkstätten geschlossen. Inzwischen kommt Enrico Preißer im Schnitt auf ganze drei Fahrten in der Woche.

Ganz schnell 500 Euro bekommen

Wie kommt man damit hin? „Gar nicht gut. Ich lebe mit meiner Lebensgefährtin von den Reserven, aber Reichtümer hat meine Firma ja auch bisher nicht abgeworfen.“ 1.500 bis 2.000 Euro Grundkosten hat er im Monat. Er muss die Raten fürs Auto bezahlen, die nicht gerade geringe Haftpflichtversicherung für den Transporter, Steuern und Abgaben werden fällig. Da ist nicht ein Euro fürs eigene Leben dabei.

Deshalb suchte Enrico Preißer jetzt fieberhaft Hilfe. „Ich hatte bisher keine Ahnung, wie und wo man sie bekommen kann. Ich war ja noch nie in einer solchen Lage.“ Einer seiner verbliebenen Kunden hatte einen Tipp: Er solle es doch mal bei der Stiftung Lichtblick versuchen. „Ich hab dann erst mal gegoogelt, was denn das ist und wer dahintersteckt. Große Erwartungen hatte ich nicht. Aber dann war ich total überrascht, dass wenige Tage nach meinem Antrag mit der Bitte um Hilfe schon 500 Euro auf meinem Konto eingingen.“ Dieses Geld ist natürlich nicht die Rettung, aber es hilft wieder ein Stück weiter. Die Hilfe macht Mut.

Fahrzeug wird regelmäßig desinfiziert

Enrico Preißer braucht jetzt viel Mut zum Weitermachen, gerade weil er keine Ahnung hat, wie und wann es weitergeht. Die Debatte um die Lockerungen verfolgt er, doch Hoffnung auf bestimmte Maßnahmen, wie etwa Friseur- und Kosmetikläden, die jetzt schon wissen, dass sie wahrscheinlich am 4. Mai wieder öffnen können, hat er keine. Er muss darauf vertrauen, dass seine Kunden selbst Mut fassen und ihre Ausfahrten wieder aufnehmen. Außerdem muss er darauf bauen, dass ihm seine wichtigsten Kunden, Senioren- und Behindertenheime, die Treue halten.

„Es ist gerade keine einfache Zeit“, meint Enrico Preißer. „Auch wenn ich mir sage, dass ich ja gar nichts dafür kann.“ Ihm bleibt jetzt nur, weiter nach Hilfe zu suchen, sein Fahrzeug fit zu halten, es nach jeder seiner wenigen Fahrten gründlich zu desinfizieren. Er trägt selbstverständlich eine Maske während der Fahrt und begrüßt die allgemeine Maskenpflicht in Sachsen. „Ich unternehme wirklich alles, damit mein Fahrzeug sicher ist“, macht Enrico Preißer seinen Kunden Mut.

Autor: Olaf Kittel

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